projekt

pflegeheim kindberg

Der Entwurf für das neue Pflegeheim in Kindberg basiert auf den Prinzipien eines modernen Pflegekonzeptes, das umgesetzt in kleinen Wohngruppen mit jeweils 15 Bewohnern eine individuelle Betreuung ermöglicht. Das architektonische Gesamtkonzept korrespondiert mit den speziellen Bedürfnissen der Betreuungseinrichtung und deren zukünftigen BewohnerInnen. Der zentrale Punkt des Pflegeheimes ist ein neuer, großzügiger und verkehrsfreier Vorplatz, der sich unter Einbeziehung des südlich gelegenen Sport- und Kinderspielplatzes, bis zum Haupteingang des Gebäudes erstreckt. Dieser „Dorfplatz", der Vor- und Kommunikationsplatz gleichermaßen darstellt, schafft einerseits einen Mehrwert für die Gemeinde und andererseits wird ein direkter Kontext zum Pflegeheim hergestellt, der wiederum integrativ wirkt. Dieser weiträumige Zugangsbereich gliedert das Gebäude in zwei gleichwertige Baukörper, die versetzt auf dem leicht geneigten Gelände situiert werden. Die Basis, ein leicht zurückversetztes Sockelgeschoß, nimmt die Bereiche der Verwaltung und Versorgung, aber auch den vielfältig nutzbaren Eingangs- und Veranstaltungsbereich sowie die Tagespflege auf und wird durch eine überdachte Terrasse optisch und funktional in den Außenbereich erweitert. Darüberliegend sind zwei Ebenen für insgesamt 120 Pflegeplätze vorgesehen, die dem Betreuungskonzept folgend auf 8 eigenständige Wohnbereiche aufgegliedert werden. Daraus resultiert eine für die Pflege optimale Aufteilung auf 2 idente Pflegegeschoße und zugleich eine 3-Geschoßigkeit des Gebäudes, das in der Proportion die Maßstäblichkeit von Mensch zu Gebäude erhält. Zentral in der Mitte jedes Wohnbereiches liegt der gemeinsame Sozial- Wohn- und Essbereich samt Bewohnerküche und großzügiger Sonnenterrasse. Dieser Platz fungiert als Treffpunkt bzw. „Zentrum" des täglichen Lebens in der Wohngruppe, von dem aus alle umliegenden Bewohnerzimmer auf kurzen Wegen erreicht und betreut werden können. Die Wohnbereiche werden mittig mit einem lichtdurchfluteten und begehbaren Atrium kombiniert, welches zusätzlich zu dem ständig vorhandenen Außenraumbezug Licht und Grün ins Innere der Aufenthaltsbereiche einbringt. Verglaste Loggien mit Terrassen erweitern diese Zone und schaffen zudem separierte kleine Aufenthaltsbereiche, die als dezentrale „Wohnstuben" genutzt werden können und zu gemeinschaftlichen Aktivitäten anregen. Damit können differenzierte Übergänge von der Privatheit des Zimmers zu den gemeinschaftlichen Aktionsbereichen und Rückzugsmöglichkeiten für die BewohnerInnen geschaffen werden. Das Konzept der Einbeziehung des Außenraumes wird in den Bewohnerzimmern durch ein großes Fenster mit niedrigem Parapet fortgesetzt. Das Bewohnerappartement ist ein wohnliches Umfeld mit einzelnen, definierten Bereichen wie Sitzecke, Leseecke und Schlafbereich. Dieser sogenannten „Stube" ist ein mit Glaselementen abtrennbarer Vorraum mit integriertem Bewohnerschrank und angrenzender eigener behindertengerechten Sanitärzelle vorgelagert. Dem Gebäudekonzept liegt der Gedanke zugrunde, ein effizientes und nachhaltiges Gesamtsystem herzustellen. Ein bivalentes Heizungssystem, betrieben mit C02-neutralem Biogas, Nutzung der Sonnenenergie, eine hocheffiziente Raumlüftung mit 85%iger Wärmerückgewinnung und eine thermisch optimierte Außenhülle sind wesentliche Punkte des nachhaltigen Energiekonzeptes.

Daten

Standort: 8652 Kindberg, Austria
Bauträger: ÖWG - Österreichische Wohnbaugen.mbH.
Nutzer: Sozialhilfeverband Mürzzuschlag
offener Bauträgerwettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
2013 / 1.Preis
Planung:  Hohensinn Architektur
Projektleitung: Bernd Schittelkopf
Team: Matthias Salzmann, Johannes Oberhauser, Karlheinz Boiger, Thomas Bauer, Klemens Mitheis
Nettogrundfläche: ca. 7.500 m²
Pflegeplätze: 120
Tagespflegeplätze: 15
Planungsbeginn: 2013