projekt

haus p, gnas

Ort, Lage, Atmosphäre – nicht quantifizierbare, aber trotzdem ausschlaggebende Parameter beim Kauf eines Hauses oder Grundstücks. Das Ehepaar, das beruflich in Wien bzw. Graz verankert ist, hatte auf halber Strecke zwischen den beiden Städten einen kleinen, stillgelegten Bauernhof gefunden. Seine Ausstrahlung und Umgebung – sanfthügelige, seit Jahrhunderten bäuerlich kultivierte Landschaft – schienen ihnen geeignet, ihren Vorstellungen von einem zukünftigen Leben auf dem Land zu entsprechen.
Die bestehende Substanz, die in ihrem Kern an die vierhundert Jahre alt ist, wurde immer wieder erweitert und zuletzt in den 60er Jahren modernisiert, wobei vieles an Qualität verloren ging. Bei näherer Betrachtung stellte sich zudem heraus, dass das Mauerwerk desolat war und sowohl Wohnhaus als auch das im rechten Winkel nördlich davon liegende Wirtschaftgebäude kaum zu retten waren. Trotzdem entschlossen sich die Bauherren zur teilweisen Sanierung.
Als wichtigster Eingriff wurden die beiden Bestandsgebäude durch einen neuen, hohen und luftigen Wohnraum miteinander verbunden. Ausgehend von diesem Gelenk wurde ein zusammenhängendes, offenes Gefüge entwickelt, das durch Nischen bzw. Einbauten in unterschiedliche Zonen gegliedert ist. Kochen und Essen finden im ehemaligen Wohnhaus statt, Schlafzimmer und alle zugehörigen Funktionen sind im vormaligen Wirtschaftstrakt untergebracht, wobei die durchgehende Offenheit – sowohl in den Innenhof als auch in der räumlichen Abfolge - ein maßgeblicher Wunsch der Bauherren war.
Anschließend daran gibt es mit der ehemaligen Tenne einen bislang ungenutzten Bereich, von dem aus eine Treppe in den ebenfalls renovierten Dachboden führt, der in Zukunft Arbeits- und Atelierraum sein soll. Lediglich der Dachstuhl über dem Esszimmer wurde bereits jetzt ausgebaut und beherbergt Kinderzimmer und Bibliothek. Zuletzt wird der U-förmige Grundriss mit einem klimatisch nicht abgeschlossenen Raum zum „Sommerwohnraum“ vervollständigt. Hier, wie im gesamten Haus, wurde größter Wert auf Aussicht, auf bewusst gewählte Blickverbindungen und einen starken Bezug zum Außenraum gelegt. Sowohl vor dem Haus als auch im Innenhof gibt es durch Holzroste definierte Bereiche für das Leben draußen, das den Bauherren immer wieder ein hervorgehobenes Anliegen ist.
Im Inneren wurde eine möglichst zurückhaltende Farb- und Formgebung praktiziert, um der Kunstsammlung der Besitzer einen entsprechenden Hintergrund zu bieten. Wenige, haptisch anspruchsvolle und im Kontext stimmige Materialien wie Kalkputz, Lärchenholz oder Gussestrich kamen zum Einsatz und erzeugen im Zusammenspiel mit dem fließenden Raum- und Lichteindruck eine Atmosphäre nicht des luxuriösen, sondern des stimmungsvollen Wohnens.

 

Daten

Standort: 8342 Gnas – Steiermark, Austria
Planung: hohensinn architektur
Projektleitung: Roland Weißenbeck
Team: Karlheinz Boiger, Thomas Haas, Mario Mayrl
ÖBA: GRAZT Architektur ZT GmbH, Graz
Vorstatik: JR Consult ZT GmbH, Graz
Ausführungsstatik: CMB – Constructions Management Bau GmbH, Feldbach
Elektro: TB für Elektrotechnik – Ogrisek, Graz
HKLS: ITS Installationstechnik Schober, Straden
Nutzfläche: ca. 365 m²
Planungsbeginn: 06/2005
Baubeginn: 10/2006
Fertigstellung: 08/2007