projekt

wohnanlage dieselweg, graz

Die um 1950 im Stil der Wiener Zwischenkriegswohnbauten errichtete Wohnanlage der ehemaligen Steyr-Daimler-Puch-Siedlung am Grazer Dieselweg sowie deren Erweiterungsbauten aus den 70er Jahren, und der dazwischenliegende Grünraum, wurden nach nunmehr 50 Jahren ohne Interventionen im Zuge dieses Sanierungsprojektes in einem umfassenden Konzept bearbeitet. Nicht nur die Fassade war Ziel des Konzeptes, sondern im Rahmen der thermischen Sanierung wurde auch die Anlage auf Passivhaus-Standard gebracht. Der Wohnraum selbst wurde modernen Bedürfnissen angepasst und die gesamte Anlage mit einem neuen Grünraumkonzept wurde in ein neues Landschaftskonzept gebettet.
Die Umwandlung der alten schlecht isolierten Sozialbauten in Wohnbauten mit Passiv-Haus –Standard wurde mittels eines neuen und speziell für diese Bereiche entwickelten Fassadensystems „gap-solar“ umgesetzt. Das System setzt sich zur Gänze aus vorgefertigten Fassadenelementen zusammen, die geschoßweise auf die bestehenden Fassaden montiert werden. Das System basiert auf dem Konzept in der Fassade die Strahlungswärme des Sonnenlichts zu puffern, und ebenso die gewonnene Energie über Speicher zur Versorgung der Wohnungen heranzuziehen. Die bestehenden Wände werden mittels Bauteilaktivierung zur Schaffung des optimalen Innenraumsklimas herangezogen. Stemmarbeiten in den Wohnungen wurden somit obsolet. Der Aufbau der mehrschichtigen Fassadenelemente wird in Pfosten-Riegel-Bauweise hergestellt, der thermisch relevante Kern der Elemente bildet eine Wabenkonstruktion aus Karton, die je nach Jahreszeit und Sonnenstand unterschiedlich als klimaregelnde Schicht fungiert. So dient die Wabe im Sommer als Puffer und verschattet sich selbst und in der kalten Jahreszeit wird ein zusätzlicher Dämmeffekt bewirkt. Als Außenhaut dient eine Glashülle.
Weiters wurden offene Balkone und Loggien in ganzjährig nutzbare, rundum gedämmte Veranden verwandelt, die die Nutzbarkeit der Wohnungen verbessert und folglich die Wohnqualität erhöht. Ebenso wurden im Rahmen dieses Projektes die Außenanlagen der Wohnsiedlung völlig neu konzipiert. Die Verkehrswege wurden umgestaltet, und entflochten. Die vormals langen und für den Kfz-Verkehr optimierten Straßen, die den Verkehr, und den Lärm, als gefährdende Komponenten für die BewohnerInnen und Kinder in die Anlage gezogen haben, wurden in kleinere überschaubare Teilstücke zoniert. Der lange Verkehrsraum wurde somit gebrochen. Ein zentral angelegter Siedlungsplatz wurde an der Haupterschließung so gestaltet, dass der Anrainerverkehr dort bewusst mit eingeführten Schwellenbereichen verlangsamt wird. Gleichzeitig wurde damit ein Zentrum innerhalb der Siedlung definiert, das bewusst die Kommunikation und den Austausch der BewohnerInnen fördern soll. Zusätzlich wurden überschaubare Bereiche, den einzelnen Gebäuden zugeordnete Spiel- und Grünhöfe artikuliert und mit Bepflanzung und zusätzlichen Einbauten, wie Gartenlauben, Spielflächen, Pergolen, kleinen Verweilplätzen etc. individuell gestaltet. Somit konnte ein differenziertes und angemessenes Wohnumfeld zu den neu sanierten Gebäuden auf neuem energetischem Spitzenniveau realisiert werden.

 

Daten

Standort: 8041 Graz, Dieselweg, Austria
Bauherr: GIWOG
Planung: Hohensinn Architektur
Projektleitung: DI Pair Dicke
Baubeginn: 06 / 2008  
Fertigstellung: Ende 2009 
Nutzfläche: 204 Wohneinheiten
Baukosten netto: 8,8 Mio.
Generalunternehmer: gap solution gmbH
Statik Holzbau: Kulmer Holz-Leimbau GmbH
Haustechnik: FUTUS Energietechnik GmbH
Energieplanung: TB Aschauer

Preisträger: Energy Globe Styria Award 2009
Nominierung: Energy Globe Austria Award 2009
Nominierung: Klimaschutzpreis 2009, Kategorie: Handwerk & Gewerbe
Nominierung: Energy Globe World Award 2010
Anerkennungspreis: Beispielhafter Wohnbau 2010